Normale Abnutzung oder Schaden? Die Grenze verstehen
Leasingverträge sehen die Rückgabe in einem Zustand normaler Abnutzung vor. Was genau darunter fällt, entscheidet über eine Rückgabe ohne Kosten oder eine Rechnung. Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht — nachvollziehbare Kriterien schon.
Worin der Unterschied liegt
Normale Abnutzung entsteht allein dadurch, dass ein Fahrzeug bestimmungsgemäß über die vereinbarte Laufzeit und Laufleistung genutzt wird. Ein Schaden geht auf einen Anstoß, auf Unachtsamkeit, auf fehlende Wartung oder auf eine unübliche Nutzung zurück.
Zwei praktische Folgerungen:
- Laufleistung und Alter zählen. Was bei vier Jahren und 120.000 km üblich ist, ist es bei zwei Jahren und 20.000 km nicht.
- Die Art zählt mehr als die Größe. Ein Steinschlag ist ein Verkehrsrisiko; eine Delle ist ein Anstoß.
Die meisten Leasinggesellschaften arbeiten mit einem schriftlichen Katalog, der Position für Position beschreibt, was akzeptiert wird. Fragen Sie danach: Zehn Minuten Lektüre vorab sind die beste Vorbereitung, die es gibt.
Meist als normale Abnutzung eingestuft
- Über die Karosserie verteilte Waschkratzer.
- Kleine Steinschläge an Frontschürze und Schwellern.
- Gleichmäßiger Reifenverschleiß oberhalb der gesetzlichen Grenze.
- Gebrauchsspuren an Lenkrad, Schaltknauf und Fahrersitzwange, passend zur Laufleistung.
- Abrieb der Fußmatte unter der Ferse.
Meist als Schaden eingestuft
- Kratzer bis auf Grundierung oder Blech, unabhängig von der Länge.
- Delle mit beschädigtem Lack oder verformtes Bauteil.
- Felge mit Materialabtrag.
- Steinschlag oder Riss in der Windschutzscheibe.
- Gerissener Scheinwerfer, beschlagene Leuchte, gebrochener Spiegel.
- Brandloch, Riss oder hartnäckiger Fleck im Innenraum.
- Anhaltender Geruch nach Rauch oder Tier.
- Fehlende Teile: Zweitschlüssel, Laderaumabdeckung, Ladekabel, Bordwerkzeug.
- Nicht vereinbarte Anbauten oder Bohrungen in der Karosserie.
- Nicht oder nicht vorschriftsmäßig durchgeführte Wartung.
Die Grauzone praktisch behandeln
- Vorher fotografieren. Ein dokumentierter Mangel mit Datum lässt sich besprechen; ein undokumentierter nicht.
- Auf die Laufleistung beziehen. Bei hoher Laufleistung ist mehr Abnutzung zu erwarten — das ist ein Argument.
- Zweite Meinung holen. Ein Karosseriebetrieb sagt Ihnen in zwei Minuten, ob es um Politur oder Lack geht. Das ist die entscheidende Information.
Was nie als Abnutzung gilt
- Fehlende Teile. Ein fehlender Zweitschlüssel ist eine sichere Position. Suchen Sie ihn jetzt.
- Die Wartung. Ein lückenhaftes Scheckheft lässt sich nicht nachholen.
- Reifen unter der gesetzlichen Grenze. Das ist zuerst ein Sicherheitsthema.
- Umbauten. Folien, Aufkleber, Anhängerkupplung, nicht freigegebene Felgen: Das Fahrzeug geht im Auslieferungszustand zurück.
Vorbereiten heißt korrigieren, was korrigierbar ist, und den Rest dokumentieren. Es heißt nicht kaschieren: Eine sichtbare Ausbesserung oder eine unsauber durchpolierte Stelle fällt auf und wirkt gegen Sie.